Donnerstag, 19. November 2026 - 18:00
Würzburger Juden und der Holocaust in Riga
19. November 2026, 18:00 Uhr - Abendvortrag von Dr. Tilman Plath
Im November 1941 wurden mehr als 200 Jüdinnen und Juden aus Würzburg und Unterfranken nach Riga deportiert. Für die meisten von ihnen begann damit ein Leidensweg, der über das Lager Jungfernhof, das Rigaer Ghetto und das Konzentrationslager Kaiserwald bis nach Stutthof und auf die Todesmärsche der letzten Kriegsmonate führte. Nur wenige überlebten.
Der Vortrag zeichnet die Verfolgungswege der aus Würzburg deportierten Juden nach und ordnet sie zugleich in die Geschichte des Holocaust in Lettland ein. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Rigaer Ghetto als einem Ort, an dem aus dem Deutschen Reich deportierte Juden auf die wenigen Überlebenden der bereits weitgehend vernichteten jüdischen Bevölkerung Lettlands trafen. Unterschiedliche Sprachen - Deutsch, Jiddisch, Russisch und Lettisch -, kulturelle Prägungen und Verfolgungserfahrungen bestimmten das Zusammenleben unter den Bedingungen von Ghetto, Zwangsarbeit und fortgesetztem Massenmord. Erinnerungen Würzburger und lettischer Überlebender geben Einblick in diese Erfahrungswelt.
Abschließend richtet sich der Blick auf die Nachgeschichte: auf die Erinnerung an die Deportierten und Ermordeten und die besondere Verbindung zwischen Würzburg und Riga, die heute unter anderem im Deutschen Riga-Komitee ihren Ausdruck findet.
Zum Referenten: PD Dr. Tilman Plath ist Historiker für Osteuropäische Geschichte und leitet die Abteilung für Osteuropäische Geschichte am Historischen Institut der Universität zu Köln. Promoviert wurde er mit einer Studie über die nationalsozialistische Zwangsarbeitspolitik im Baltikum; zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Baltikums, die deutsche Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg sowie die Geschichte Russlands und Osteuropas.
Der Eintritt ist frei, es ist keine Anmeldung nötig.